2. Etappe der Kletterreise - von Litzendorf ins Ailsbachtal

 

Wir verlassen den nördlichsten Teil des Frankenjuras und begeben uns weit westwärts nach Litzendorf östlich von Bamberg, wo wir unsere Felsenreise durch das Ellertal und das Leinleitertal über Heiligenstadt bis ins Untere Wiesenttal bei Streitberg fortsetzen.


Im östlich von Litzendorf gelegenen Ellertal (13) befindet sich die sonnige Eulenwand mit zahlreichen Genussrouten. Von Tiefenellern geht es weiter nach Heiligenstadt (14) zum Oberlauf der Leinleiter. Über dem Ort thront unterhalb eines Pavillions die Traindorfer Wand. Wir folgen dem Flusslauf der Leinleiter weiter talabwärts. Veilbronn (15) bietet an seinen imposanten Totensteinwänden, der Veilbronner Wand und der neu erschlossenen Leidingshofer Wand meist senkrechte Kletterrouten an abschüssigen Griffen. Hier kann man in den unteren zwei Dritteln einer Wand im glatten Kalk und im oberen Drittel im rauen, etwas sandigen Dolomit klettern. Dies ist eine geologische Besonderheit.


Auf der Hochfläche bei Burggrub und Oberngrub (16) westlich des Leinleitertals gibt es für Extremkletterer ein weites Betätigungsfeld.


Insgesamt jeweils zwei Dutzend Routen im neunten und zehnten sowie eine Handvoll Anstiege im elften Schwierigkeitsgrad warten an der Luisenwand und dem Rotenstein auf Wiederholungen, die hart erkämpft werden müssen.


Einige dieser Routen sind bereits in den 80er Jahren entstanden und zählen zu den Sportkletterklassikern im Frankenjura, beispielsweise Team Motivation (9/9+) und Kaum Zeit zum Atmen (10-) von Wolfgang Güllich, ebenfalls der Boulder Maud (9) von “Flipper” Fietz, aber auch Die Kante (10-) von Norbert Bätz. 
 

Etwas leichtere Lochklettereien findet man an der Oberngruber Wand nur wenige Kilometer von der Luisenwand entfernt.


Bevor wir uns nun weiter ins Untere Wiesenttal begeben, machen wir einen kurzen Abstecher in den Frankendorfer Klettergarten (17) noch Stück weiter im Westen.


Der weitläufige Felsenkessel, der sich über die Landrichterseite, die Anna-steinseite und die Dragonerseite erstreckt, bietet fast hundert Kletterrouten und spielte aufgrund seiner Nähe zu Bamberg in der frühen Entwicklung des fränkischen Klettersports ab 1900 eine wichtige Rolle.


Wir erreichen das Untere Wiesenttal mit seinen Orten Streitberg und Muggendorf (18). Rund um Streitberg befinden sich wichtige Klassiker des Sportkletterns.


Der Kletterpionier Kurt Albert kletterte an der fast 50 Meter hohen Matterhornwand mit der Route Die Gelbe die erste Route des siebten Grades im Frankenjura. Am Streitberger Schild unmittelbar über der Ortschaft pinselte Albert 1975 den ersten -- Roten Punkt an den Adolf Rott Gedenkweg (6+). Dies war der Beginn der Rotpunkt-Bewegung, die sich danach weltweit durchgesetzt hat. Beliebt ist das Streitberger Schild auch heute noch wegen seiner diffizilen Plattenklettereien (Schildkröte, Bernd-Arnold-Platte), die schon Anfang der achtziger Jahre entstanden. 
 

Im Wiesenttal fahren wir weiter talaufwärts vorbei an Muggendorf mit seinen imposanten Muggendorfer Wänden in den Talabschnitt der Sachsenmühle (19). Hier stehen auf dem Weg bis nach Behringersmühle mit der Norisbabawand und der Heinrichsgrotte viele weitere mittelhohe bis hohe Wände, die überwiegend sehr spärlich abgesichert sind und alpine Abenteuer garantieren.


In Behringersmühle, unterhalb von Gößweinstein gelegen, zweigen wir links ins obere Wiesenttal (20) ab, das uns über die Schottersmühle und Doos bis nach Waischenfeld bringt.


Auf dem Weg dorthin befinden sich mit der Wolkensteiner Wand, der Kalten Wand, dem Wintergarten, der Jubiläumswand, dem Bandstein viele lohnende und oftmals ausgesetzte Wände, an denen überwiegend Routen im mittleren Schwierigkeitsbereich erschlossen sind.


Eine der schönsten Routen des sechsten Grades ist die Talseite am Gelben Turm. Im Gegensatz dazu bietet das romantische Zwergenschloß in einem versteckten Seitental dank seines grottenartigen Baus stark überhängende Klettereien bis in den elften Schwierigkeitsgrad.

 

Die Felsen um das Städtchen Waischenfeld (21) sind kürzer und vor allem bei Kletterern einfacher und mittlerer Schwierigkeitsgrade beliebt. Die Harry-Potter-Wand im Stagersgraben, die Aalkorber Wände sowie das Frankenstüble bei Nankendorf bieten gut gesicherte Klettertouren für jede Jahreszeit. Der Waischenfelder Turm dagegen ist ein sonniges Winterziel, das schon in den 80er Jahren beklettert wurde und nur mit Routen oberhalb des achten Schwierigkeitsgrades aufwartet.


Im Aufseßtal (22), einem weitgehend straßenfreien Seitental, das bei Doos in die Wiesent mündet, befinden sich ebenfalls einige Kletterfelsen. Deren beliebtester ist die Aufseßtal Südwand, die Genusskletterer mit sonnigen und großgriffigen Anstiegen verwöhnt.


Wir fahren von Waischenfeld weiter über die östlich davon gelegene Hochfläche und wieder hinab in das Ailsbachtal (23). Auch hier befinden sich mit der Heldwand, dem Schlupflochfels und dem Raben-stein eine Reihe lohnenswerter Felsformationen, die gerade bei Kletterern mittlerer Schwierigkeitsgrade sehr beliebt sind. Als Einstiegstour in den 10ten Schwierigkeitsgrad erfreut sich die Route Witchcraft (10-) an der Neumühler Wand großem Zuspruch. Das Schneiderloch ist für das Extremklettern von höchster Bedeutung. Die Route Corona von Ausnahmekletterer Markus Bock ist die erste Kletterroute des Frankenjuras, die mit dem Schwierigkeitsgrad 11/11+ bewertet wurde.