3. Etappe der Kletterreise - vom Püttlachtal zur Ehrenbürg

 

Vom Ailsbachtal fahren wir abermals südostwärts weiter über die Hochfläche des Juras und schließlich abwärts in das Püttlachtal im Nordosten des Frankenjuras mit seinem Felsenstädtchen Pottenstein und dem Felsendorf Tüchersfeld. Sowohl im Oberen als auch im Unteren Püttlachtal stehen bedeutende Kletterfelsen.


Die Amerikanische Botschaft und die Bärenschluchtwände im Unteren Püttlachtal (24) sind südseitig ausgerichtet und für Kletterer der mittleren und höheren Schwierigkeitsgrade ein lohnendes Ziel. Im Unteren Püttlachtal sind die Ringlerwand und die Püttlachtaler Wand, beides sind Felsnachbarn der Bärenschluchtwände, ebenso beliebt.


Nördlich und östlich von Pottenstein (25) finden Kletterer im Mariental, einem Seitental des Püttlachtals, und im Oberen Püttlachtal ebenfalls einige lohnende Kletterfelsen. Hoch im Kurs stehen im Mariental wegen der großen Routenauswahl die Marientaler Wände sowie die Neue Heimat, weil die Routen dort sehr gut gesichert sind und auch im Winter beklettert werden können. Im Oberen Püttlachtal sind das grottenähnliche Dohlenloch, die Pottensteiner Wand über den Dächern von Pottenstein und auch die ausgesetzte Trautner Gedenkwand oberhalb des Pottensteiner Waldcafés besondere Schmankerl.
 


Im südöstlich von Pottenstein gelegenen Weihersbachtal (26) sind rund um die Schüttersmühle das Amphitheater mit der Route Hasenmonster (10+/11-), die Schüttersmühler Wand durch die Freikletterklassiker Thriller(10-), Killer(10), Luftballondach (9) sowie Terra Australis mit Downset (11-) für das Extremklettern von Bedeutung.

Wir folgen der Bundesstraße 470 noch weiter nach Osten und besuchen die lohnendsten Felsen bei Pegnitz (27). Der etwas spärlich abgesicherte Wachbergfels wurde größtenteils in den Siebzigern und Achtzigern erschlossen und bietet hervorragende Felsqualität. Die Weidlwanger Wand ist bei Kletteraspiranten des neunten Schwierigkeitsgrades sehr beliebt.

Der nächste Anlaufpunkt unserer Kletterreise ist die Trubachalb südlich des Püttlach- und des Wiesenttals. Sie ist bekannt für Dolomitfelsen in perfekter Gesteinsqualität. An ihrer Abbruchkante ins Wiesenttal befinden sich bei Burggaillenreuth und bei Gößweinstein einige beliebte Kletterziele.

Bei Burggaillenreuth (28) gibt es an den Schlossbergwänden, den Schlosszwergwänden, den Schlossbergzwillingen und der Schlosserei ein reichhaltiges Betätigungsfeld mit knapp 100 Routen für Kletterer aller Schwierigkeitsgrade an einem nördlich ausgerichteten Felsriegel. 
 

Die Kletterfelsen um Gößweinstein (29) vereinen Tradition und modernes Ambiente.


Der in das Wiesenttal hinabragende Napoleon, die Oberen und Unteren Gößweinsteiner Wände, die Eibenwände und die Martinswand gelten als geschichtsträchtig. Der bizarr anmutende Napoleon wurde bereits 1911 erstbestiegen, an den Oberen Gößweinsteiner Wänden glückten Kurt Albert und Wolfgang Güllich im Jahr 1981 mit Sautanz, Humbug und Schleimspur drei weltweit bekannte Meilenteine des Sportkletterns im unteren neunten Schwierigkeitsgrad. Auch im Hinblick auf Naturschutz haben diese Wände historische Bedeutung: Im Jahr 1992 entstand hier das erste --  Kletterkonzept des Frankenjuras.


Aber auch auf der Hochfläche in und südlich von Gößweinstein befinden sich wichtige Felsen: Spektakulär ist der Gernerfels mit seiner weit ausladenden Supernase (8). Die Breitenberg Südwand gilt bei Anfängern und Kletterkursen als das Non-Plus-Ultra. Und die in den letzten Jahren bekannt gewordenen Freibadwände, die Zaubererwände und das Frankenwohnheim bieten ein weites Betätigungsfeld für vertikale Routensammler leichter und mittlerer Schwierigkeitsgrade.


Von Gößweinstein fahren wir auf der Trubachalb weiter in südliche Richtung. Um die Ortschaften Stadelhofen, Allersdorf und Türkelstein (30) gibt es mit den Stadelhofener Wänden, der Herbstwand, dem Lindenstein und der Elfenwelt hervorragende Kletterziele mit vielen leichten Routen in meist perfekter Gesteinsqualität und mit guter Absicherung.

 

Nachdem wir die Trubachalb passiert haben, fahren wir durch das Wannbachtal (31) ganz im Westen des Frankenjuras ins eigentliche Trubachtal hinab. Hier wartet der Röthelfels mit knapp 200 südseitig ausgerichteten Kletterrouten - ein Superlativ in der fränkischen Kletterwelt. Der bis zu 40 Meter hohe, sonnengeflutete Felsriegel bietet sportlich abgesicherte Routen zwischen dem dritten und dem neunten Schwierigkeitsgrad in teils alpinem Ambiente.

Aber auch Wanderfalken und Kolkraben finden an dem fast einen Kilometer breiten Felsmassiv genügend Platz für ihr Brutgeschäft. Mit Devil´s Crack (7-), dem Welzenbach Gedenkweg (9+) und der Astronautenleiter (5/A2) befinden sich am Röthelfels einige Klassiker der Freikletterära und des technischen Kletterns.

Bevor wir das Trubachtal flussaufwärts fahren, statten wir der Ehrenbürg (32), umgangssprachlich „Walberla“ genannt, einen Besuch ab. Dieser auffällige Berg auf der Südseite des Trubachtals vor den Toren Forchheims hatte einmal große kultische Bedeutung und bietet als imposanter Vorposten des eigentlichen Juragebirges mit seinem Frankenschnellweg (7) und weiteren 40 ausgesetzten Kletterrouten grandiose Fernsichten in das westlich davon gelegene Regnitztal.