4. Etappe der Kletterreise - von Pretzfeld über Obertrubach bis Spies

 

Von Pretzfeld geht es entgegen dem Lauf der Trubach bis nach Egloffstein (33). Über dem Ort thront gegenüber der historischen Burganlage majestätisch der bei Kletterern als Egloffsteiner Gemsenwand bekannte Pfarrfels, eine sonnige Südwand für Kletterer mittlerer Schwierigkeitsgrade und mit klassisch abgesicherten Routen. Am Albrecht-Dürer-Fels schräg gegenüber des Pfarrfelsens hat Oskar Bühler seinen ersten S0Bühlerhaken in den fränkischen Fels gesetzt.


Von Süden her münden beim Weiler Haselstauden und bei Hammerbühl zwei Seitentäler in das Trubachtal, das Großenoher Tal und das Todsfeldtal. Beide Täler sind nicht durch Straßen erschlossen und deshalb ruhig gelegen. Das wichtigste Kletterziel im Todsfeldtal (34) ist die Brüchige Wand, das spektakulärste der so genannte Kapuziner, eine 20 Meter hohe Felsnadel, die allerdings bei der Bevölkerung als einsturzgefährdet gilt. Im Großenoher Tal (35) sind der Kurfürst, die Drei Zinnen, die Hohe Geisel und die Großenoher Wand beliebte Anlaufpunkte. Im Februar 2005 ereignete sich an der Waldmannspitze im selben Tal ein mächtiger Felssturz, bei dem zwei Drittel des Turmes und mehr als 150 m³ Gestein ins Tal donnerten.


Weiter talaufwärts im Oberen Trubachtal (36) befinden sich über dem gleichnamigen Weiler die Haselstaudener Wände, ein sonniges und ausgesprochen beliebtes Kletterziel für Genusskletterer. Gegenüber dieser Felsengruppe versteckt sich auf der anderen Talseite der Fürther Turm im Wald, eine schlanke Felsnadel mit seiner Ostkante (6+), welche bis zum Ende der zwanziger Jahre als eine Art Reifeprüfung für anerkannte Vorstiegskletterer galt. 
 

Wir folgen der Straße durch das Trubachtal weiter talaufwärts und erreichen die Orte Untertrubach und Wolfsberg. Der erste Zeltplatz der fränkischen Kletterszene „Oma Eichler“ in Untertrubach ist sogar australischen Kletterern ein Begriff. Oberhalb des Zeltplatzes befindet sich am schattigen Nordhang der Saufels, der an warmen Tagen mit hervorragend abgesicherten leichten und mittelschweren Routen Kletterer anzieht. Gegenüber dem Zeltplatz steht der Zehnerstein, der mit seinem überlebensgroßen Kletterhaken zu einem Wahrzeichen des Frankenjuras geworden ist. Der Haken wurde im April 1968 in einer Nacht- und Nebelaktion von neun Nürnberger und Fürther Alpinisten mühevoll auf den Gipfel gezerrt und dort einbetoniert, was zunächst in der Bevölkerung und bei so manchem Kletterer Kopfschütteln auslöste, mittlerweile aber volle Anerkennung gefunden hat.


Von Wolfsberg geht es weiter in Richtung Obertrubach (37). Hier reiht sich ein Dolomitfels an den nächsten: Der Hartelstein ist ein beliebter Gipfel für Liebhaber leichter und ausgesetzter Routen. An den griffigen und zum Teil sehr stark überhängenden Wänden des oberen Talabschnitts des Trubachtals sind aber auch einige klettersportliche Meilensteine beheimatet: Fight Gravity (8+), Magnet (9) und Amadeus Schwarzenegger (10-) am Richard Wagner Fels, das Goldene Dach (8+/9-) an der Dachlwand, die Offenbarung (8) und Eraserhead (8+) an den Bleisteinwänden.


Kurz darauf erblicken wir linkerhand das „Kletter-Infozentrum Fränkische Schweiz“(KIZ) am westlichen Ortsausgang von Obertrubach und nutzen das großzügig angelegte Areal für eine kurze Pause
 

Kurz darauf erblicken wir linkerhand das „Kletter-Infozentrum Fränkische Schweiz“(KIZ) am westlichen Ortsausgang von Obertrubach und nutzen das großzügig angelegte Areal für eine kurze Pause.


Über dem Parkplatz thront das unter Kletterern bekannte Felsmassiv Eldorado, das bei Einheimischen auch als Blechstein bekannt ist. Hier befinden sich eine Vielzahl von Routen vorwiegend ab dem neunten Schwierigkeitsgrad. Unter den dreizehn bislang eingerichteten Routen befinden sich die Klassiker Ekel (9+) und Stone Love (10+) des englischen Extremkletterers Jerry Moffat, die dieser in den achtziger Jahren erstbegangen hat.


Auf der zur Trubachalb gehörenden Hochfläche unmittelbar nördlich des Trubachtals bei Sorg (38) präsentieren sich mit der Klagemauer, dem Rondell, und der Grünen Hölle weitere historische Plätze des Klettersports. Das Rondell mit England grüsst Falkland (10-) und die Klagemauer mit Windstärke 9(9), Deadline (10+)  und Elektrischer Sturm in der Hölle (9+) waren in den Achtzigern und Neunzigern Wiege und Highlights des fränkischen Bouldersports. In der Grünen Hölle sind mit Vögeln verboten (9+) und Spiderman (10-) einige Toprouten der späten achtziger Jahre, aber mit Kawaschugu (11-/11) und The man that follows hell (11/11+) auch der jüngeren Vergangenheit beheimatet.

 

Wesentlich gemächlicher geht es einige Kilometer weiter östlich rund um die Dörfer Graisch, Leienfels und Bärnfels (39) zu. Hier finden sich am Leienfelser Pfeiler, dem Leienfelser Burgfelsen, dem Graischenstein, den Graischer Bleisteinwänden und am Wolfstein Genussrouten in Hülle und Fülle. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um das größte zusammenhängende Klettergebiet mit leichten und genussvollen Routen im Frankenjura. Der Graischenstein und der Wolfstein bieten obendrein ein sehr kinderfreundliches Ambiente rund um die Felsen.


Wir verlassen das Gebiet des Oberen Trubachtals von Obertrubach aus nach Osten und fahren weiter über Hiltpoltstein (40) mit seiner beliebten Hexenküche und dem ebenso gut besuchten Stahlenfels bei der gleichnamigen Ortschaft bis auf die Hochfläche bei Betzenstein (41) , der so genannten Betzensteiner Kuppenalb. Hier findet sich der Trubachalb ähnliches, festes Dolomitgestein, das sich an zahlreichen Genusskletterfelsen ertasten lässt: Dreistaffelfels, Münchser und Stierberger Wand, Hetzendorfer Wand, Leupoldsteiner Wände und Schimmelecke sowie die Hohe Reute bei Spies (42) sind die beliebtesten einer Vielzahl von Felsen, die mit überwiegend festen, großen Griffen den Kletterer verwöhnen.