Etappe der Kletterreise - vom Sittenbachtal ins Lauterachtal

 

Vom Pegnitztal aus machen wir einen Abstecher nach Westen. Hier befindet sich das parallel zur Pegnitz verlaufende Sittenbachtal (51) mit der mächtigen Algersdorfer Wand, die lange und imposante Routen bis zum neunten Grad bietet. Der Bolzenstein bei Hohenstein, hoch über dem Sittenbachtal, wurde im Jahr 1905 mittels eines Bolzens erschlossen, der durch eine Armbrust über den schwer zu erklimmenden Turm geschossen wurde. Daran befestigt war eine Schnur, mit der ein Seil über den Gipfel gezogen wurde, was erst eine Besteigung ermöglichte.


Noch weiter westlich steht am Albtrauf bei Schnaittach (52) der gut 40 Meter hohe Glatzenstein für Liebhaber großzügiger und etwas sportlicher abgesicherter Kletterlinien im sechsten, siebenten und achten Schwierigkeitsgrad. Von seinem Gipfel aus bietet sich eine gute Fernsicht bis nach Nürnberg.


Nach unserem Abstecher nach Westen besuchen wir jetzt die weitaus zahlreicheren Klettermöglichkeiten östlich des Pegnitztals. Hier haben die Pegnitz-Zuflüsse Hirschbach, Etzelbach, Högenbach und Rohrbach weitere Täler in die Juralandschaft geschnitten. Das Hirschbachtal (53) ist bei Klettersteiggehern durch den Norissteig und den Höhenglücksteig bekannt, den bislang einzigen Klettersteigen im gesamten Frankenjura. Für Sportkletterer ist das Gebiet aber nicht weniger interessant. Mit der Mittelbergwand, dem so genannten Schlaraffenland und der Castellwand offenbart sich ein großes Felspotential für Liebhaber von Leistenklettereien.
 

Auch die sich südlich an das Hirschbachtal anschließende Hochfläche, der sogenannte Schwarze Brand (54), ist gespickt mit Kletterfelsen. Allen voran steht die Weiße Wand, eine gut gesicherten und südseitig ausgerichtete Felspartie, die bei Genusskletterern sehr beliebt ist und an der obendrein spezielle Kinderkletterrouten eingerichtet sind. Weitere lohnende Genusskletterziele im Schwarzen Brand sind Röthenbacher Wand und Turm und die Schwarzbrennerei. Anspruchsvoller klettert man auf der Hochfläche an der Drachenburg, an der Schmidtstadter Wand oder am Norisbrettl.


Von Hirschbach aus geht unsere Reise nun ins romantische Lehenhammertal (55) ganz im Süden des Frankenjuras. Dieses beherbergt mit der Brosinnadel und dem Riesturm zwei bei Genusskletterern überaus beliebte Türme. An der Hammertalwand und an der Lehenhammerwand wartet dagegen ein breites Routenangebot im achten und neunten Schwierigkeitsgrad an senkrechten oder leicht überhängenden Wänden.
 

Auf der Hochfläche bei Neukirchen (56), östlich des Lehenhammertals, reicht die Bandbreite des Felsangebots von klassisch bis modern. Während der Grundfels und der Hartenfels mit Sportkletterklassikern aus den Achtzigern bis zum zehnten Grad aufwarten, bieten die neu erschlossene Flinzbergwand, die Gaisheimer Wand oder der Henastoa (Hühnerstein) gut abgesicherte Anstiege für Genießer.


Wir verlassen Neukirchen in Richtung Süden, überqueren das Pegnitztal und steuern ins Högenbachtal (57). Bei Haunritz ist der schon im Jahr 1899 erstbestiegene Alte Fritz klettersportlich von Bedeutung. Dieser gleicht – vom Ort aus gesehen – der Silhouette des Preußenkönigs Friedrich II. Die in den neunziger Jahren erschlossene Haunritzer Wand bietet eine Vielzahl von Lochklettereien in kompaktem Fels. Auf der nach Süden angrenzenden Hochfäche bei Lichtenegg finden Genusskletterer mit dem Hohen Fels, der Steinernen Krone und den Türkenfelsen ein reichhaltiges Betätigungsfeld in einer intakten Natur weitab der Zivilisation.


Von Lichtenegg aus orientieren wir uns in Richtung Westen und erreichen das Rohrbachtal (58) mit seinem Happurger Stausee. Hoch über diesem thront der auch archäologisch bedeutsame, südseitig ausgerichtete Hohle Fels samt Nebenfelsen mit einem breiten, abwechslungsreichen Routenangebot in landschaftlich reizvoller Kulisse. Weiter talaufwärts sind die Kirchtalwände bei Alfeld (59) sowie die Gotzenberger Wände nahe des gleichnamigen Ortes beliebte Kletterziele.
 

Vom Rohrbachtal fahren wir abermals weiter nach Südosten auf die Hochfläche südlich des Pegnitztals, wo die Felsdichte allmählich abnimmt und unsere Kletterreise sich dem Ende neigt. Die hiesigen Felsen zwischen Illschwang und Ursensollen (60) sind alle jüngeren Erschließungsdatums. Herausragend sind die Ammerthaler Wand bei Ammerthal und der Kalmusfels bei Illschwang. Beide bieten ein breites und gut abgesichertes Routenspektrum mit insgesamt mehr als 50 Routen bis zum achten Schwierigkeitsgrad.


Etwas abgelegen, aber dennoch einen Besuch wert, befindet sich als letzte Station unserer Reise ganz im Süden das Lauterachtal (61) zwischen Kastl und Schmidmühlen. Hier und im Umfeld des Tals sind eine Handvoll lohnender Kletterfelsen, beispielsweise der Lauterachfels. Diese sind weitgehend südseitig ausgerichtet und bestehen aus extrem hartem Jurakalk, bieten aber viele leichte Routen, was uns zum Ausklang unserer Kletterreise durch den Frankenjura sehr gelegen kommt.