Abwechslungsreiche Oberfläche – Die Entstehung der fränkischen Jurafelsen



Vor 160-140 Millionen Jahren erstreckte sich ein flachesRandmeer des Ur-Mittelmeeres (Tethys) von Portugal über Süddeutschland und Polen bis nach Rumänien. Im Weißen Jura steuerte die Verteilung von Land und Meer die Bildung der verschiedenen Karbonatgesteine (Kalk, Dolomit, Mergel) und der markanten Schwammriffe. Heute stellen die in der Fränkischen und Schwäbischen Alb an der Oberfläche sichtbaren Gesteine nur einen kleinen Teil der Ablagerungen des Weißjuras dar. Der größte Teil ist unter den Nördlichen Kalkalpen in mehreren tausend Metern Tiefe verborgen oder wurde bereits in der Vergangenheit abgetragen.


Die Felsen des Frankenjuras - Kalke und Dolomite des Malm - sind verfestigte Meeresablagerungen aus feinem Karbonatschlamm und Bruchstücken von Meeresorganismen. Gleichzeitig wurde der Meeresboden meist von Schwamm-Riffen und Schwamm-Rasenbänken besiedelt. Neben Schwämmen traten darin Algenkrusten, Muscheln, Seeigel und andere Organismen auf. Da diese Bildungen wenig Schichtung aufweisen, werden sie als massige Karbonate bezeichnet. Vom umgebenden Festland wurde in das damalige Randmeer feines Verwitterungsmaterial in den Ablagerungsraum eingebracht. Diese Tonsedimentation führte auch zu den Wechselfolgen von Kalkbänken und dünnen, tonigen Lagen (Bankkalke).


Das räumliche und zeitliche Über- und Nebeneinander von Massen- und Bankkalken und tonreichen Schichten ist charakteristisch für den Malm der Fränkischen Alb. So werden viele Dolomitfelsen, die durch chemische Umwandlung aus Bankkalken hervorgegangen sind, oft von dünnen Fugen durchzogen, die durch herausgewitterte Tonlagen verursacht werden. Sie markieren Zeiten verstärkten Eintrags von feinem, tonigem Verwitterungsmaterial ins Meer. Andere große, rundliche Felsen, die massige Schwammriffe darstellen, weisen dagegen keinerlei Schichtung auf.


Die Umwandlung in Dolomit trat wahrscheinlich erst viele Millionen Jahre später nach der Ablagerung der Weißjura Kalksedimente (Kalkstein) durch die Zufuhr von Magnesium ein. Während im Kalk noch alle Merkmale der Meeresablagerungen (Mikrofossilien, Gesteinsstruktur) zu erkennen sind, werden diese bei der Umwandlung in meist zuckerkörnigen Dolomit aus Kristallen vollständig zerstört. Diese seit der Ablagerung im flachen Meer gebildeten so unterschiedlichen Merkmale (massige Ausbildung, verschiedene Organismen, Bankung, Schichtung) in Kalk und Dolomit machen die große Bandbreite und Eigenarten des Kletterns in Franken aus. Besonders der raue Dolomit (gute Reibung, scharfkantige Kristalle bis 1 mm Größe) und andererseits der ganz dichte und glatte Kalk sorgen für große regionale Unterschiede.


Ferner ändert sich von NW nach SO im Frankenjura generell die Ausbildung des Jurakalkes (-dolomits), was durch eine leichte Kippung der Jura-Tafel nach SO (um 4 Grad) bedingt ist. Dadurch findet man im NW ältere Schichten des Weißjuras mit anderer Ausbildung als im SO. Demzufolge ändert sich auch der Charakter der Kletterei von Gebiet zu Gebiet. Tiefe Schichten (z. B. Unteres Wiesenttal, Leinleitertal) weisen oft abschüssige Leisten in etwas „weich“ erscheinendem Gestein auf, während der Fels höherer Schichten (Trubachalb; meist Dolomit) durch großen Härtegrad, filigrane Strukturen und häufig kleine Löcher gekennzeichnet ist.


Die vielfältigen Oberflächenstrukturen führen zu einer unterschiedlichen Routenbeschaffenheit. So besuchen Kletterer die Ankatalwand im Pegnitztal wegen ihrer Leistenkletterei (wenige Millimeter breite, horizontale Griffstrukturen). An der Reichelsmühler Wand im Trubachtal und an den Stadelhofener Wänden auf der Trubachalb findet man Lochklettereien. An der Veilbronner Wand im Leinleitertal bestimmen Sloper (größere, abschüssige Griffe) den Routencharakter.


Text: Prof. Dr. Roman Koch